Freie Trauung: Ablauf, Einzug und was ihr entscheiden müsst
Wie eine freie Trauung abläuft: Ankunft der Gäste, drei Varianten für den Einzug, Rede, Rituale und Auszug. Aufgeschrieben von Hochzeitsfotografen aus Franken.


Bei einer freien Trauung gestaltet ihr den Ablauf selbst. Das ist ihr größter Vorteil und gleichzeitig der Grund, warum viele Paare am Anfang ins Grübeln kommen. Beim Standesamt läuft alles nach festem Muster. Bei der freien Trauung entscheidet ihr über Länge, Reihenfolge, Rituale und darüber, wer wann einzieht.
Wir haben inzwischen viele davon begleitet, drinnen in Scheunen, draußen im Hof, im Sommer und im Winter. Dieser Text beschreibt eine mögliche Variante mit allen Phasen, damit ihr eine Vorstellung bekommt und wisst, worüber ihr mit eurem Trauredner oder eurer Traurednerin sprechen solltet.
Was davor passiert, also Haare, Anziehen und die letzten Handgriffe, steht im Beitrag über das Getting Ready.
Die Ankunft der Gäste
Für viele eurer Gäste ist es die erste freie Trauung. Sie kommen an und wissen nicht genau, was auf sie zukommt, wo sie sitzen dürfen und wann es losgeht.
Genau da hilft eine Person, die das übernimmt. Meistens sind das die Trauzeugen: Sie empfangen die Gäste, erklären in zwei Sätzen den Ablauf und zeigen, wo die Plätze sind. Manche Redner machen das selbst und richten vor dem offiziellen Teil ein paar Worte an alle. Sprecht das vorher ab, damit dieser Moment jemandem gehört.

Ein kleiner Tipp, der viel Unruhe spart: Stellt auf die ersten Reihen Schilder mit dem Wort reserviert. Dann bleiben die Plätze für Eltern, Geschwister und Trauzeugen frei, ohne dass jemand jemanden wegschicken muss.
Der Einzug, drei Varianten
Das ist die Entscheidung, über die Paare am längsten nachdenken, und sie lohnt sich.
Gemeinsam. Ihr zieht zu zweit ein und erlebt den Moment zusammen. Die Blicke verteilen sich auf euch beide, und ihr beginnt den neuen Abschnitt so, wie ihr ihn führen wollt: nebeneinander.
Mit dem Vater, die amerikanische Variante. Die Braut zieht am Arm ihres Vaters ein, der Bräutigam wartet vorne. Hier steht die Braut im Mittelpunkt, alle Blicke gehen auf sie, und der Moment der Übergabe trägt die ganze Zeremonie. Viele Paare kombinieren das mit dem First Look erst in diesem Augenblick, der Bräutigam sieht seine Braut also zum ersten Mal fertig angezogen, wenn sie den Gang hinunterkommt.
Nacheinander allein. Erst der Bräutigam, dann die Braut. Beide bekommen ihren eigenen Auftritt und ihre eigene Aufmerksamkeit.
Möglich ist außerdem alles andere: mit beiden Elternteilen, mit den Großeltern, mit dem Schwiegervater. Wir haben dazu einen eigenen Text geschrieben, der die Varianten ausführlich durchgeht, der Gang zum Altar.
Fotografisch ist nur eines wichtig: Sagt uns vorher, wie ihr einzieht. Dann stehen wir an der Stelle, an der die Reaktion passiert, und nicht dort, wo wir sie verpassen.
Die Rede
Im Vorfeld verbringt ihr mehrere Stunden mit der Person, die eure Trauung hält. Ihr erzählt vom Kennenlernen, von der Anfangszeit, von den Macken des anderen, von der Verlobung. Daraus entsteht eine Rede, die nur zu euch passt.
Für uns ist das der ruhigste Teil des Tages und gleichzeitig der ergiebigste. Während vorne gesprochen wird, passiert in den Reihen das Eigentliche: Die Mutter, die kurz die Augen schließt. Der Trauzeuge, der grinst, weil er die Geschichte kennt. Die Großmutter, die nickt. Diese Bilder entstehen, weil einer von uns bewusst nach hinten schaut, während der andere vorne bleibt.
Rechnet für die Traurede 30 bis 45 Minuten. Wenn eure Gäste in der Sonne sitzen, stimmt euch vorher auf die kürzere Variante ab.
Die Musik
Live-Musik hebt eine freie Trauung auf ein anderes Niveau, und die meisten Paare setzen sie an drei Stellen ein: beim Einzug, nach dem Ringtausch und beim Auszug.

Klärt vorher drei Dinge: Wo steht die Technik, woher kommt der Strom, und wer gibt das Zeichen zum Einsatz. Das übernimmt meist die Trauleitung, es sollte aber abgesprochen sein. Und plant die Lieder eher knapp: Zwei bis drei Stücke tragen eine Zeremonie, mehr zieht sie in die Länge.
Die Rituale
Eine freie Trauung ohne Ritual ist selten, und meistens folgt es direkt auf die persönliche Geschichte. Es kann die Zusammengehörigkeit symbolisieren, den neuen Abschnitt einläuten oder die Wünsche der Gäste einsammeln. Ihr habt dabei alle Freiheit, und genau das macht diesen Teil so persönlich.

Zwei Dinge sind uns dabei wichtig geworden. Erstens: Besprecht das Ritual vorher mit eurer Trauleitung, auch wenn es eine Überraschung für die Gäste sein soll. Sonst verrutscht die Dramaturgie. Zweitens: Wählt etwas, das ihr selbst erklären könntet. Rituale, die ein Paar nur macht, weil sie hübsch aussehen, wirken auf den Bildern genau so.
Die Ringe

Der Ringtausch ist der Moment, den fast jeder Gast festhalten will. Bittet eure Gäste, diesen Moment einfach anzuschauen und die Handys in der Tasche zu lassen. Die Bilder davon übernehmen wir, dafür sind wir da. Ein einziges hochgehaltenes Handy im Gang steht sonst genau an der Stelle, an der später euer schönstes Bild entstanden wäre.
Der Auszug
Am Ende gibt es zwei gängige Wege.
Beim ersten zieht ihr als Erste aus und wartet am Ausgang auf eure Gäste. Danach folgt der Sektempfang, und die Gratulation läuft geordnet ab.
Beim zweiten gehen zuerst die Gäste hinaus und bilden ein Spalier, durch das ihr hindurchgeht, meist mit Seifenblasen, Wunderkerzen oder Bändern. Das ergibt die Bilder, die später alle zeigen: Bewegung, Applaus, Konfetti in der Luft.
Der Auszug ist das Gegenstück zum Einzug und eure ersten gemeinsamen Schritte als Ehepaar. Wenn ihr euch für das Spalier entscheidet, sagt jemandem Bescheid, der die Gäste rechtzeitig nach draußen schickt. Diese zwei Minuten Vorlauf entscheiden darüber, ob das Spalier steht, wenn ihr kommt.
Wie das an einer konkreten Location aussieht, steht im Beitrag über eine Hochzeit im Winzerhof Stahl.
Danach
Nach dem Auszug wird es schnell voll. Gratulation, Sekt, die ersten Gruppenfotos. Genau hier lohnt sich Luft im Zeitplan, denn das dauert immer länger als gedacht. Wie ihr euren Tag so aufbaut, dass Verzögerungen ihn nicht kippen, steht in unserem Zeitplan für die Hochzeit.

Wenn ihr eure Trauung draußen plant, gehört ein Regenplan dazu, und zwar ein echter mit Plätzen für alle. Welche Fragen ihr bei der Besichtigung stellen solltet, haben wir in unserem Beitrag über die Hochzeitslocation gesammelt.
Häufige Fragen zur freien Trauung
Wie lange dauert eine freie Trauung?
Rechnet mit 30 bis 45 Minuten für die Zeremonie selbst, dazu eine halbe Stunde für Ankunft und Auszug. Kürzer geht, wenn ihr auf Rituale verzichtet, länger wird es, sobald Familie und Freunde eingebunden sind.
Ist eine freie Trauung rechtlich gültig?
Rechtlich bindend ist die standesamtliche Trauung. Die freie Trauung ist die Zeremonie, die eure Geschichte erzählt, und viele Paare erledigen das Standesamt deshalb an einem anderen Tag im kleinen Kreis.
Wer führt eine freie Trauung durch?
Ein Trauredner oder eine Traurednerin. Ihr sucht die Person selbst aus, verbringt vorher mehrere Stunden mit ihr und bekommt dafür eine Rede, die auf euch zugeschnitten ist.
Welche Einzugsvarianten gibt es?
Drei sind üblich: gemeinsam einziehen, die Braut am Arm ihres Vaters, oder beide nacheinander allein. Genauso möglich sind der Einzug mit beiden Elternteilen oder mit den Großeltern.
Wann sollte die freie Trauung stattfinden?
Am besten am späten Nachmittag. Dann ist das Licht weicher als mittags, die Gäste sitzen nicht in der prallen Sonne, und danach geht es direkt in den Sektempfang.
Was braucht eine freie Trauung draußen unbedingt?
Einen Regenplan mit Sitzplätzen für alle Gäste, Schatten bei Hitze und eine Tonanlage. Ohne Mikrofon hört die hintere Hälfte der Gäste von der Rede wenig, besonders im Freien.
Dass eine freie Trauung auch im Dezember draußen stattfinden kann, zeigt der Beitrag über die Winterhochzeit im Hofgut Maisenburg. Wie sich eine standesamtliche Trauung im Garten mit freien Elementen mischen lässt, mit Sandzeremonie und einer Runde Schnick, Schnack, Schnuck bei der Ringübergabe, steht im Beitrag über das Heiraten im Preunerwirt in Frankenburg.
Ihr plant eine freie Trauung in Franken?
Erzählt uns, wie ihr sie euch vorstellt, und wo sie stattfindet. Wir sagen euch ehrlich, was zeitlich aufgeht, wo die Kamera stehen sollte und was wir bei ähnlichen Trauungen gelernt haben. Wie eine ganze Reportage bei uns aussieht, seht ihr auf der Seite zu unseren Hochzeitsfotos.
Ist euer Hochzeitstag noch frei?
Wir sind Tobi und Theresa, Hochzeitsfotografen aus Burgbernheim. Ganztägig unterwegs, in Franken und Unterfranken. Schreibt uns euer Datum und wo ihr feiert, dann sagen wir euch, ob wir an dem Tag noch zu haben sind. Beliebte Sommertermine sind oft ein Jahr im Voraus vergeben.